Ein Recht auf Bewegung

Am 1. April trafen sich über 4000 Läuferinnen aus aller Welt in Bethlehem am Marathon „Right to Movement“.

Viele Studentinnen und Studenten der Bethlehem Universtiät waren mit dabei. So auch Mira Amer, die 20-jährige Physiotherapie-Studentin aus Hebron. Sie hat sich mit einer Gruppe von Freunden schon Wochen vorher auf diesen Event vorbereitet. Denn seit ein paar Monaten wohnt sie in einem Studentenwohnheim in Bethlehem. Hier ist es sicherer, grüner und ruhiger als in Hebron und Mira kann sich hier freier bewegen, ohne Hijab (Kopftuch) ausgehen, ja kann sogar joggen und sich unbeschwert mit ihren Freundinnen in einem Kaffee treffen. Im konservativen Hebron gelten Frauen, die in der Öffentlichkeit Sport treiben als lasziv. Doch Mira Amer liebt Sport: Sie hat den schwarzen Karate-Gürtel. Bereits mit 15 besiegte sie sämtliche Jungs; der Grösste war 180 cm, 20 cm grösser als Mira. Wäre sie in Europa oder in Amerika aufgewachsen, wäre sie ein Karate-Champion geworden, davon ist sie überzeugt. In Palästina waren ihre Möglichkeiten jedoch beschränkt, denn es war schwierig, einen qualifizierten Trainer zu finden, der sie förderte. Und sowieso: Das Physiotherapie-Studium ist sehr zeitintensiv und darum hat sie schweren Herzens das Karate-Training aufgegeben und durch Lauf-Training ersetzt. 10 Kilometer ist sie am „Right to Movement“ Marathon in Bethlehem zusammen mit ihren Kolleginnen gerannt: für ein Recht auf Bewegung, auch für Frauen. Durch die Physiotherapie kann Mira ihre Liebe zum Sport mit dem Interesse an der Arbeit mit Menschen verbinden. Und sie möchte etwas bewirken: Für sich und die anderen Menschen in Palästina und ganz besonders für die Frauen. Mira möchte mehr Gleichberechtigung und wünscht sich, dass Palästinenserinnen vermehrt verantwortungsvolle Rollen ausserhalb von Ehe und Familie übernehmen können. Sie hat nichts gegen das Heiraten, aber es sollte eine persönliche Wahl sein und nicht Pflicht. Mira ist überzeugt, dass eine gute Ausbildung den Frauen hilft, die Dinge besser zu verstehen.

 

 

 

 

 

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